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Das Tal der Tränen - Kernleder auf dem Radfalter

Ein Jahr habe ich jetzt schon mein Birdy white und ich bin mit meinem Radfalter mehr als zufrieden. Da gab es allerdings etwas, das meiner Meinung nach optimiert werden konnte - z.B. der original Velo Crossbow Sattel. Warum? Ganz einfach: Nach langen Touren hatte ich immer wieder dieses unangenehme Auskühlen, verursacht durch kalten Schweiß, der sich mangels Atmungsaktivität, bzw. Aufsaugvermögens auf meinem "Kunststoffsattel" angestaut hatte. Aber was tun?

Ich hatte gehört, dass bei Ledersätteln dieses Phänomen nicht so stark in Erscheinung tritt - also gleich mal informiert, und dass kann bei mir dauern...

Bei Wikipedia findet man zu Sätteln aus Kernleder folgendes:
Die komfortabelsten Sättel sind solche aus Kernleder, weil sich das Leder im Laufe der Zeit dem Körper des Fahrers anpasst. Die Bequemlichkeit dieser Sättel ist aber mit vielen Nachteilen verbunden, sie verlangen viel Pflege, sind feuchtigkeitsempfindlich, teuer und viel schwerer als moderne Sättel. Ein Ledersattel sollte nicht dem Regen ausgesetzt werden; das Sattelfett, welches zweimal pro Jahr von oben aufgetragen werden sollte, verhindert ein Durchnässen nur bedingt. Beim Fahren im Regen und ohne Schutzbleche, sollte der Sattel auch geringfügig von unten eingefettet werden. Mittels eines speziellen Schlüssels kann die Vorspannung des Sattelleders eingestellt werden. Deshalb wird ein Ledersattel im Laufe der Zeit immer länger. Traditionshersteller und Marktführer für Kernledersättel ist die Firma Brooks.


Von einem Forum ins Nächste, von einem Fachhändler zum Anderen, von einer Messe zur Nächten - nirgendwo erfuhr ich das was ich wissen wollte. Lepper oder Brooks? Klar - Tradition verpflichtet - Brooks!! Aber welches Modell? Ok, eines habe ich gelernt, keine gefederten Sättel auf gefederten Radfaltern, die Wirkung würde sich gegenseitig beeinträchtigen. Billig sind Sättel aus Kernleder auch nicht, aber schließlich möchte ich mein Bridy stilvoll ausstatten und noch viele Jahre fahren - natürlich mit dem perfekten Sattel.

Jetzt galt es das richtige Modell zu finden - bei der großen Vielfalt die Brooks England bietet nicht ganz einfach: Es gab mal einen Colt - den hatte vielfahrer Klaus (www.rad-fernweh.de ) auf seinem Rad mal gehabt, aber wegen widerspenstigkeit nach 3.500 km wieder abgeschraubt. Der Colt fällt also falch. Diese Aged-Versionen von Brooks befand ich ebenfalls für ungeeignet - wenn schon "einreiten" dann gefälligst richtig, wie soll ich sonst eine Beziehung zu meinem Sattel aufbauen?! Einen Swallow vielleicht? Der ist aber schweineteuer und dazu sowas von spartanisch, dass ich mir ernsthafte Sorgen um meine Genitalien machte - daher vielleicht auch der Name: "Swallow" nicht Schwalbe, sondern Schwellung?? Nee, der Swallow schaffte es auch nicht ins Finale. Der Swift hat eine Punzierung mit einem Vogel an der Seite - das würde wunderbar zum Birdy passen, außerdem stand noch der Team Professional zur Auswahl (Brooks' Klassiker für den sportlich ambitionierten Radfalter).

Also blieb mir nur eines - Fachhändler besuchen und Sattel aufs Rad montieren, kurze Probefahrt und schauen ob die Optik stimmt - dann entscheiden. Der Swift war gleich raus, unbequem und optisch einfach zu klein, außerdem sah das Leder in der Farbe Honig nicht gut aus. Den Team Pro gabs beim Händler nur in antikbraun, das passte auch nicht so recht zu weiss und das Untergestell des Sattels war verchromt - irgendwie unschön, fand ich. Also weiter suchen - die Lösung: Google Bildersuche und eine Bildmontage machen, vielleicht doch klassisch schwarz? Der Team Pro war bei der Probefahrt schon ziemich angenehm und in schwarz mit Kupfer untergestell sah der zum Birdy white auch echt gut aus. Zudem wurde dem verkupferten Untergestell in einem der zigtausend Foren, die ich druchsucht hatte, eine höhere Bruchsicherheit als dem verchromten zugeschrieben. Also gut, die Wahl fiel auf den Brooks Team Professional in schwarz mit verkupfertem Untergestell.

Weil kein Händler in meiner Nähe meinen Wunsch-Team Pro vorrätig hatte, wandte ich mich an Michael Leonhard von www.bicycle-parts.de, der mir promt die Lieferfähigkeit bestätigte. Die Abwicklung lief prima und wenige Tage später kam die Lieferung - der Brooks Team Professional mit verkupfertem Untergestell - ein wurderschöner Sattel.

Raus aus der Packung und gleich mal mit einer guten Portion Proofide Sattelfett von unten und von oben eingeschmiert (Fett nei - wie man in Karlsurhe sagt). Kurz nachpoliert und dann auf den Radfalter montiert - EIN TRAUM!! Die erste Probefahrt war eine wahre Offenbarung. Nicht im Geringsten so hart wie ich vermutet hatte, keine Anzeichen vom Tal der Tränen, das es, laut vieler Fachhändler, die ersten 500 km zu druchfahren galt. Im Gegenteil - der Sattel passte einfach wunderbar und war genau das was ich gesucht hatte.

OK - zugegeben - bei der 2. Tour erschien der Team Pro etwas härter als bei der Ersten, aber danach hatte ich nie wieder Probleme, weder mit Taubheitsgefühl, noch mit unangenehmen Feuchtigkeitsstau und dazu gab es noch hochachtungsvolle Blicke von Freunden und Bekannten - "oh Gott ist der hart..." - wenn die wüssten!


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